Letztes Update: 12. August 2017

Aufbaulehrgang

Bericht
Japanischer Besuch beim Aufbaukurs des BZVS
Weit gereist waren 8 Teilnehmer des Aufbaukurses am 3.-10. August in der Landesmusikakademie Ottweiler. Extra aus Japan flogen die bekannte japanische Mandolinenlehrerin Michiko Kataoka mit ihrem Ehemann und sechs ihrer (erwachsenen) Schüler ein, um an dem Fortgeschrittenenkurs des BZVS teilzunehmen. Als Dolmetscher fungierte Takashi Ochi, einem Urgestein der Mandolinistik Deutschlands, der die ganze Woche als Mittler zwischen den japanischen Gästen und den Dozenten und Teilnehmern wirkte.

Michiko Kataoka ist eine der besonders fortschrittlichen Lehrerpersönlichkeiten in der allgemein eher traditionell ausgerichteten Zupfmusikszene Japans. Sie leitet das ?Kataoka Mandolin Institute? in der Nähe Tokios, und beherbergt dort eine große Anzahl von Schülern, vier Orchester, mehrere Kammermusikformationen und veranstaltet eine Vielzahl von Konzerten. Auffällig ist die große Breite an Literatur, die vor allem im Hauptorchester gespielt wird. Besonders zeitgenössische Kompositionen, vor allem europäischer Komponisten stehen auf dem Programm des hervorragenden Orchesters. Am ersten Tag des Lehrgangs stand für die japanischen Teilnehmer ein Vortrag über die Entstehung der modernen ?Deutschen Mandolinenschule? auf dem Programm, die sich von der japanischen sehr stark unterscheidet. Steffen Trekel informierte über die Entwicklung der Mandolinentechnik in Deutschland und brachte den Teilnehmern die Verbindung der klassischen Tonideale mit der gegenwärtigen deutschen Instrumentalbehandlung nahe, die auf einem runden, vollen Klangideal basiert. Danach wurde an der Umsetzung dieses Klangideals mit entsprechenden Plektren und Anschlagsweisen gearbeitet, die die Teilnehmer sehr offen aufnahmen und die gesamte Woche versuchten umzusetzen. Auch Frau Kataoka war sehr interessiert und angetan, was auch durch die Tatsache, dass sie 50 deutsche Plektren bestellte, dokumentiert wurde.

Sie selbst hospitierte während des Lehrgangs fast die gesamte Zeit über bei den Unterrichten ihrer Schüler und Proben der Ensembles und spielte auch in Kammermusikgruppen mit. Ihre Schüler waren hervorragend vorbereitet und hatten allesamt Werke einstudiert, die mit Steffen Trekel ausgearbeitet werden sollten. Auch hier war die Literatur sehr facettenreich und erstaunlich fortschrittlich. Traditionelle Werke von Eduardo Mezzacapo und Sergi Nawata standen Solostücke z.B. von Erik?t Hart und Marlo Strauß gegenüber, die sonst sehr selten in Japan gespielt werden.

Alle Teilnehmer waren äußerst motiviert und fröhlich, übten mit viel Fleiß an den Vorgaben und brachten an den Vorspielabenden viele einstudierte Werke zu Gehör. Besonders schön anzusehen waren die Vorträge am letzten Abend und beim Abschlusskonzert, die in traditionellen Kimonos gespielt wurden und der japanischen Note des Kurses noch einen weiteren optischen Reiz verliehen.

Nach Aussagen der japanischen Gäste hat es ihnen sehr gut gefallen. Sie haben viele neue Eindrücke für ihr Spiel bekommen und die deutsche Mandolinen-Spielkultur am eigenen Leib erfahren können. Wenngleich sie vorher und nachher keine Zeit für Sightseeing hatten und allein für den Lehrgang einen solch großen (finanziellen) Aufwand betreiben mussten, haben sie die weite Reise nicht bereut.

Für den Kurs war es ebenfalls eine Bereicherung, denn die anderen, fast ausschließlich jugendlichen Teilnehmer konnten so einen Blick über ihren ?saarländischen? Tellerrand wagen.

Impressionen der Teilnehmer in Ottweiler können auf der Homepage von Michiko Kataoka hier eingesehen werden.


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