Letztes Update: 28. May 2017

im Jahr 2001

2. Europäisches Mandolinen- und Gitarrenfestival
2. Europäisches Mandolinen- und Gitarrenfestival in Otzenhausen/Saar vom 27. September bis zum 3. Oktober 2001
Programmheft
Das gesamte Programmheft des 2. Europäischen Mandolinen- und Gitarrenfestivals 2001 können Sie als '.pdf-Datei hier abrufen.


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Pressetext
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2. Europäisches Mandolinen- und Gitarrenfestival in Otzenhausen/Saar
Das Saarländische Zupforchester zusammen mit dem Bund für Zupf- und Volksmusik Saar veranstaltete vom 27. September bis zum 3. Oktober das 2. Europäische Mandolinen- und Gitarrenfestival. Als Interpreten der Konzerte und Dozenten der Meisterkurse konnten David Russell und Prof. Thomas Müller-Pering Gitarre sowie Gertrud Tröster und Caterina Lichtenberg Mandoline gewonnen werden. In der reizvollen Umgebung des nördlichen Saarlandes begegneten sich über 150 Teilnehmer aus vielen europäischen Nationen, der Türkei und Japan in der hervorragend ausgestatteten Europäischen Akademie Otzenhausen. 22 Instrumentalisten aus Italien, Deutschland, Japan, Russland und der Türkei nahmen aktiv an den Meisterkursen teil, wovon sich sieben auch für den allen aktiven Teilnehmern offenstehenden Wettbewerb entschieden.
Eröffnet wurde das Festival, von Reiner Stutz und Thomas Kronenberger geleitet und organisiert, mit einem wundervollen Konzert von David Russel, das auch vom Saarländischen Fernsehen aufgezeichnet wurde. David Russel's Interpretation der Bachschen Chaconne und der Reverie von Regondi waren atmosphärisch so dicht und gelungen, dass er erst nach fünf Zugaben den Konzertsaal verlassen durfte.
Am nächsten Tag teilten sich Gertrud Tröster und der Saarländische Gitarrist Stefan Jenzer ein Konzert, wobei die erste Hälfte von Gertrud Tröster mit Solowerken für Mandoline von Calace und Nakano bestritten wurde und die zweite Hälfte bekannte Gitarrenliteratur wie Sor's Mozartvariationen mit modernen Werken von Sierra und Brouwer verband. Beide Interpreten zogen das Publikum mit ihrer technischen Perfektion und ihrer äußerst musikalischen Interpretation in Bann.
Das folgende Wochenende stand nun ganz im Zeichen der Zupforchester und wurde eröffnet mit einem Konzert der Europäischen Orchester:
Das Forum Musicale unter Leitung von Sebastien Paci begann mit der Uraufführung einer Klangkomposition des elsässischen Komponisten Detlef Kieffer, der selbst als Zuhörer anwesend war. Eine sehr interessante Komposition, die mit über zwanzig Minuten Länge jedoch etwas zu ausgedehnt für ein Zupforchester ohne Zusatzinstrumente scheint. Spieltechnisch und interpretatorisch zeigte sich das Forum Musicale in den Impressioni Orientali von Calace und den "Les Charactéres de la danse" von Rebel von der allerbesten Seite. Als Kontrast trat danach das Collegium Cithara Istanbul unter der Leitung von Muzaffer Corlu auf - ein Erlebnis der besonderen Art! Selten wurden 15 junge Gitarristen in einem solch homogenen Klang und von so hervorragendem Zusammenspiel und Musikalität erlebt! Das Orchester spielte pfiffige Transkriptionen Von Bizet, Mozart und Vivaldi und überzeugte vor allem auch mit türkischen Werken von Kemal Belevi. Den Abschluss dieses Samstagnachmittag-Konzertes bildete das deutsche Ensemble Chantal mit dem russischen Mandolinisten A. Semikozov. Das Ensemble Chantal unter Leitung des Gitarristen Hoffmann setzt sich aus Gitarre, Harfe, Mandoline sowie Flöten, Violine und Cello zusammen und hatte im Repertoire überwiegend Werke aus dem Mittelalter und der Barockzeit. Besonders gelungen waren die sehr interessant arrangierten russischen Volksweisen.
Am Samstagabend präsentierte sich das Saarländische Zupforchester unter Leitung von Reiner Stutz. Dieses traditionsreiche und überregional bekannte Ensemble überzeugte durch seine klangliche Homogenität und durch perfektes Zusammenspiel. Im ersten Teil erklangen neben einem neuentdeckten Concerto von dall' Abaco und einer Symphonia von Monn die programmatische Fantasie "The Song of Japanese Autumn" des Japaners Y. Kuwahara. Dort konnte das Orchester die ganze Bandbreite musikalischer Differenzierungen aufzeigen. Großartig auch das darin enthaltene Mandolinensolo von Monika Reiter, das die vielen Zuhörer in Bann zog. Der Schwerpunkt der zweiten Programmhälfte lag auf spanischen Werken. Die farbige und an den "Tango nuevo" von Piazolla angelehnte Tango-Suite von Reiner Stutz eröffnete den zweiten Konzertteil - eine technisch sehr anspruchsvolle Komposition, die ganz neue klangliche Wege in der Zupfmusikliteratur geht. Vier spanische Lieder von de Falla mit der Sopranistin Ulrike Spengler begeisterten das Publikum und Boccherini's Introduktion und Fandango rundeten dieses musikalisch und klanglich meisterhaft dargebotene Konzert ab.
In der Sonntagsmorgen Matinee begegneten sich das rheinland-pfälzische und bayrische Landeszupforchester in einer bunten Programmzusammenstellung. Prof. Hartmut Klug, der Leiter des rheinland-pfälzischen Orchesters wählte für dieses Konzert eine Bachtranskription und ein Klavierkonzert von Dittersdorf aus, in dem der Dirigent selbst den Solopart übernahm. Zwei sehr anspruchsvolle Komposition, die musikalisch überzeugend dargeboten wurden. Dem setzte das bayrische Landeszupforchester unter der Leitung von Elke Tober-Vogt moderne und folkloristische Akzente entgegen. Das Postludium von Ekaterina Kozschevnikova mit Sabine Spath am Flügel zählt sicherlich zu den anspruchvollsten und interessantesten Kompositionen der letzten Jahre. Nach dieser schweren Kost begeisterte das Orchester mit der der irischen Suite "Ceilidh" von Elke Tober-Vogt.

Das Nachmittagskonzert stand ganz im Zeichen der saarländischen Vereinsorchester. Es präsentierten sich in der ersten Programmhälfte die Mandolinenorchester aus dem Kreis Neunkirchen, aus Alsweiler und aus Heusweiler-Dilsburg und in der zweiten Hälfte die Zupforchester Friedrichsweiler, sowie die Gemeinschaftsorchester Bachem/Saarhölzbach sowie Niederwürzbach/St. Ingbert. Die Zuhörer konnten sich so ein Bild des regen saarländischen Laienmusiklebens machen und sich an einer großen stilistischen Bandbreite von barocken Konzerten über Offenbach Melodien bis hin zu Filmmusiken erfreuen.

Am Montagabend trafen sich im Konzertsaal der Europäischen Akademie die Landesschülerbigband des Saarlandes und das Saarländische Jugendzupforchester. Beide Jugendensembles setzen sich aus den besten jugendlichen Spielern des Saarlandes zusammen und werden jeweils von einem Team geleitet und betreut. Das erst seit 2 Jahren bestehende Saarländische Jugendzupforchester wird von Sandra Dörrenbächer und Nicole Forse geleitet. Die beiden Dirigentinnen haben es hervorragend verstanden, die 30 Jugendlichen aus der Reserve zu locken und in ein Orchester zu integrieren. Das Konzert begann mit Werken aus dem Barock und südamerikanische Tänze leiteten geschickt zur Landes-Schüler Bigband über, die von Ernst Urmetzer und Matthias Ernst geleitet wird. Der Leistungsstand aller beteiligten Jugendlichen dieses Konzertes war verblüffend!
Im Dienstag-Konzert stellten sich die beiden Dozenten der Meisterkurse - Thomas Müller-Pering und Caterina Lichtenberg - in Solo- und Duokompositionen vor. Sie begeisterten das Konzertpublikum mit einer bunten Mischung von alten und neuen Werken, teils Transkriptionen teils Originalwerke. Ein Höhepunkt war sicherlich die Bach'sche Cello-Suite, die Caterina Lichtenberg auf der Mandola musikalisch äußerst dicht interpretierte und die Duo-Komposition "Mountain Moor" von Stephen Funk-Pearson. Thomas Müller-Pering setzte dem die Tangos Invierno porteno und Otono porteno von Astor Piazolla in einer furiosen Interpretation entgegen. Die beiden beschlossen ihr Programm mit Piazolla's virtuosen Histoire du Tango und durften erst nach mehreren Zugaben den Saal verlassen.
Mittwochmorgen startete dann ab 10Uhr der Wettbewerb der Kursteilnehmer. Die Wettbewerbsteilnehmer hatten schon am Vortag die Gelegenheit, mit der Pianistin Ivette Schneider das Pflichtwerk aus dem Carulli-Gitarrenkonzert bzw dem Paisiello-Mandolinenkonzert zu proben. Nach längerer Beratung einigte sich die Jury unter Vorsitz von Prof. Thomas Müller-Pering auf fünf Preisträger. Bei den Mandolinisten erhielten der Japaner Takaaki Shibati den 1. Preis und der Russe Anatolyi Semikozov den 3. Preis. Takeo Sato und Klaus Kusserow teilten sich bei den Gitarren den 2. Preis und der erst fünfzehnjährige Matthias Nikola erhielt einen Förderpreis. Nach dem Mittagessen war dann für die Preisträger die Generalprobe für das Preisträgerkonzert angesetzt. Jeder Preisträger hatte die Möglichkeit, einen Satz aus dem Gitarrenkonzert von Carulli bzw. dem Mandolinenkonzert von Paisiello zusammen mit dem Saarbrücker Streichorchester unter Leitung von Reiner Stutz aufzuführen. Ein einzigartiges Erlebnis für Alle! Umrahmt wurden die beiden Konzerte von der "Musik für Saiteninstrumente und Klavier" von Reiner Stutz und einigen Liedern von Edvard Grieg mit Ulrike Spengler als Sopran-Solistin.
Alle Teilnehmer waren von der Atmosphäre, der musikalischen Arbeit, dem hervorragenden Haus und nicht zuletzt von der professionellen Organisation so begeistert, dass sie beim nächsten Mal wieder dabei sein wollen.

Großer Dank gebührt allen Sponsoren, der Europäischen Akademie Otzenhausen und vor allem Josef Schuh, ohne dessen unermüdlicher Einsatz und Unterstützung dieses Festival nicht zu Stande gekommen wäre.

Thomas Kronenberger


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